Truman Capote und „Kaltblütig“
Truman Capote (1924-1984) ist Ende der 1950er bereits ein Star in der New Yorker Literaturszene, nicht zuletzt dank seines Kurzromans „Frühstück bei Tiffany“ (1958). Eines Tages stößt er in der New York Times auf folgende Kurzmeldung: In einer friedlichen Kleinstadt wurde die Farmerfamilie Clutter in der Nacht des 15. November 1959 brutal in ihrem Haus ermordet. Capote beschließt, hinzufahren und eine Reportage über das Verbrechen zu schreiben. Doch mit der Zeit wandelt sich sein Projekt; der übliche journalistische Ansatz reicht dem Schriftsteller nicht mehr aus. Als die beiden Mörder gefasst werden, nimmt Capote Kontakt mit ihnen auf und wird mit der Zeit ihr Vertrauter. Aus dieser engen Beziehung zu den Kriminellen entsteht der Roman „Kaltblütig“, der 1966 veröffentlicht wurde. Der Tatsachenroman ist eine literarische Sensation und verschiebt die Grenzen zwischen Literatur und Journalismus. Doch die fünf Jahre andauernde intensive Beschäftigung mit dem Verbrechen prägte Capote nachhaltig. Er sagte später, er wäre nie nach Kansas gefahren, wenn er all dies hätte vorhersehen können. Und fügte hinzu: „Niemand wird jemals die Leere kennen, die ‘Kaltblütig‘ in mir entstehen ließ. Irgendwie glaube ich, dass mich dieses Buch getötet hat.“.Start: 2026-08-04-200500
end: 2026-08-04-210000
Die Löwin
Helena ist eine erfahrene Rettungssanitäterin, die es gewohnt ist, auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch im eigenen Zuhause entgleitet ihr die Kontrolle. Ihre 15-jährige Tochter Stefi schwänzt die Schule, verschwindet des Nachts und gerät unter den Einfluss einer gewaltbereiten Clique. Während Helena Abend für Abend nach ihr sucht, zerreibt der Dauerkonflikt allmählich die ganze Familie. Vater Kaarel ist permanent bemüht, die Spannungen zu dämpfen; Stefis jüngerer Bruder Sander leidet unter der ständigen Unruhe und dem Mangel an Aufmerksamkeit. Als Stefi nach einer weiteren Grenzüberschreitung im Krankenhaus landet, trifft Helena eine radikale Entscheidung. Sie holt ihre Tochter ab und bringt sie in das abgelegene Landhaus der Familie. Dort will sie Stefi vor ihrem Umfeld schützen und zugleich die Beziehung zu ihr retten. Was als Rettungsversuch beginnt, wird zu einem sich aufschaukelnden Machtkampf zwischen einer Mutter, die ihr Kind nicht verlieren will, und einer Tochter, die sich jeder Vereinnahmung widersetzt. Im Verlauf des Films verschiebt sich der Blick von der äußeren Krise auf die seelischen Verwundungen beider Figuren. Nach und nach wird sichtbar, dass Stefis Absturz nicht nur mit ihrem gefährlichen Umfeld zu tun hat, sondern auch mit einer beschädigten Mutter-Tochter-Bindung. Liina Triskina-Vanhatalo erzählt dieses Familiendrama als psychologisch-analytische Annäherung, getragen von Katariina Unts und Teele Piibemanns intensiven Darstellungen.Start: 2026-08-04-210000
end: 2026-08-04-224000
Planet Finance
„Planet Finance“ bestimmt den Weltmarktpreis für viele Rohstoffe: für Getreide, für Gold und auch für Rohöl. Es gibt immer eine Nachfrage nach Öl und der Preis ist ständig in Bewegung. Es ist heute kaum vorstellbar, aber zu Beginn der Covid-Pandemie - mit den Lockdowns - blieb die Nachfrage nach Rohöl plötzlich aus: Die Händler blieben auf ihrem flüssigen Gold sitzen. Da die Ölquellen trotzdem stetig weitersprudeln, liefen die Lager an Land bald voll und das Öl musste in Tankern gelagert werden. Die Ölvorräte der Welt dümpelten auf dem Meer herum. Und die Besatzungen der Tanker hatten keine andere Wahl, als in ihren schwimmenden „Isolierstationen“ darauf zu warten, dass der Preis wieder anstieg und das Öl verkauft werden konnte. Aber es kam für alle auf dem Ölmarkt noch schlimmer: Für kurze Zeit war ein Barrel Öl kostenlos - ein historisch einmaliges Ereignis. Wie kann ein Markt auf „Planet Finance“ derart entgleisen - und was sind die Folgen für die Menschen auf Planet Erde? Für die meisten ist „Planet Finance“ eine komplexe, aber wirkmächtige Welt, die nur dann sichtbar wird, wenn es auf den Finanzmärkten zu Krisen und Crashs kommt. Die Doku-Reihe blickt hinter die glänzenden Fassaden des großen Geldes - einer Welt, die einen schlechten Ruf hat und trotzdem unser aller Leben maßgeblich beeinflusst. ARTE strahlt drei der sechs Folgen linear im TV aus und stellt alle sechs Folgen online zur Verfügung.Start: 2026-08-04-224000
end: 2026-08-04-233500
Planet Finance
Auf „Planet Finance“ scheint der Einzelne gegen das System wenig ausrichten zu können. Aber auch dort gibt es immer wieder Leute, die gerne gegen den Strom schwimmen: die sogenannten Leerverkäufer. Manche nennen sie auch die Aasgeier auf Planet Finance. Leerverkäufer leben von den Fehlern der anderen. Sie gewinnen nur, wenn andere verlieren. Ein Leerverkäufer profitiert von der Tatsache, dass sich viele Anleger von Börsenhypes verführen lassen und investieren. Statt auf steigende Kurse zu hoffen, wettet er darauf, dass sie fallen werden - zum Beispiel, weil die Firma überbewertet ist oder Anleger mit Tricksereien getäuscht wurden. Diese Folge stellt drei Unternehmen vor, die mal als Börsenlieblinge galten und sogar den Status von „Einhörnern“ hatten. So nennt man die seltenen Firmen mit Börsenbewertungen von einer Milliarde und mehr: das flämische Spracherkennungs-Unternehmen „Lernout & Hauspie“, der deutsche Finanzdienstleister „Wirecard“ und die US-amerikanische Computerspielkette „GameStop“. Alle drei Unternehmen fielen tief und rissen dabei viele gutgläubige Anleger mit in den Abgrund. Was für Menschen sind Leerverkäufer, die es wagen, gegen einen übermächtigen Börsenhype zu wetten?Start: 2026-08-04-233500
end: 2026-08-05-003000