Re:
Seit Jahrzehnten sucht Anna Corrigan nach ihren zwei Brüdern. Beide kamen im Mutter-Baby-Heim im westirischen Tuam zur Welt. Für John gibt es eine Sterbeurkunde, für William nicht. Anna hält es deshalb für möglich, dass William noch lebt. Oder liegen seine Überreste auf dem Gelände? Die Ausgrabungen könnten endlich Klarheit darüber bringen, was mit ihren Brüdern geschah. Zwischen 1925 und 1961 starben in dem von katholischen Nonnen geführten Heim Hunderte Säuglinge und Kleinkinder. Die lokale Geschichtsforscherin Catherine Corless fand Sterbeeinträge für 796 Kinder - aber keine Begräbnisnachweise. Ihre hartnäckigen Recherchen brachten einen der größten Kirchenskandale Irlands ans Licht: Viele der verstorbenen Kinder wurden in einem Abwassertank auf dem Gelände entsorgt. PJ Haverty verbrachte seine ersten sechs Lebensjahre in dem Heim. Erst Jahrzehnte später erhielt er Zugang zu seinen Akten und erfuhr, dass er als Kind zur Adoption in die USA vorgesehen war. „Ich hatte Glück, dass ich überlebt habe. Ich hätte dort liegen können.“ Nun soll in Tuam aufgeklärt werden, was mit den Kindern geschah. Seit Juli 2025 wird das Gelände forensisch untersucht. Die sterblichen Überreste werden geborgen und sollen identifiziert werden. Wurden die Kinder Opfer von Gewalt oder Vernachlässigung? Welche Verantwortung tragen Nonnen und staatliche Stellen? Erst 2021 entschuldigte sich die Regierung offiziell bei Überlebenden und Angehörigen. Tuam war kein Einzelfall: In ganz Irland starben in solchen Heimen rund 9.000 Kinder. Ist Tuam der Anfang einer umfassenden Aufarbeitung?Start: 2026-11-03-184000
end: 2026-11-03-191500
Themenabend: Europas neue Fronten
Den Auftakt macht „Viel Geld, wenig Sicherheit? Europas Aufrüstung ohne Plan“. Mehr als 1,2 Billionen Euro wollen die europäischen Nato-Staaten bis 2030 für neue Waffen ausgeben. Doch statt einer gemeinsamen Strategie bestimmen nationale Interessen die Aufrüstung. Harald Schumann und das Journalistenteam Investigate Europe fragen, ob Europas größtes politisches Projekt an Kleinstaaterei scheitert - und selbst zum Sicherheitsrisiko wird. „Finnland-Russland: Die neue Kriegsfront?“ führt an Europas längste Grenze. Auf 1.343 Kilometern treffen finnische Vorsicht und russischer Druck aufeinander. Drohnen, Cyberangriffe, Sabotage und instrumentalisierte Migration machen die Grenze zum Schauplatz einer neuen hybriden Konfrontation. Zugleich rückt die Bedeutung der Arktis ins Zentrum. „Putins Kriegsmaschinerie - Bedroht Russland Europas Sicherheit?“ untersucht, ob Moskau eine langfristige Konfrontation mit Europa vorbereitet. Geheime Dokumente, Gespräche mit Nato-Kommandeuren, russischen Insidern und Frontsoldaten zeichnen ein Bild zwischen Abschreckung, Propaganda und Kriegsgefahr. Zum Abschluss zeigt „Weiterleben zwischen Himmel und Erde - Kriegsalltag in der Ukraine“, wie der Krieg das Leben der Menschen verändert - zwischen Verlust, Alltag und Hoffnung.Start: 2026-11-03-191500
end: 2026-11-03-191500
Die Sünderin
Marina stammt aus gutem Haus, wie man so sagt. Ihre Mutter betrog während des Krieges ihren Stiefvater. Marina wird von ihrem Stiefbruder verführt. So fällt die bürgerliche Familie auseinander und Marina steht allein da. Ihren Lebensunterhalt verdient sie fortan als Prostituierte. Bis sie sich in den gescheiterten Maler Alexander verliebt. Dieser droht aufgrund eines Hirntumors zu erblinden. Sie fahren nach Italien und finden ein kurzes Glück. Erfolglos versucht Marina, in ihrem alten Gewerbe das Geld für die Operation aufzutreiben. Überraschend erklärt sich der Arzt, bei dem sich Alexander vorgestellt hat, zu einer kostenlosen Operation bereit. Nach dem Eingriff kann Alexander wieder sehen. Nach einer glücklichen Zeit lässt Alexanders Sehvermögen erneut nach. Auch eine weitere Operation kann die Erblindung nicht aufhalten. Alexander verliert den Lebensmut ... Der Film „Die Sünderin“ (Regie: Willi Forst) löste in der Bundesrepublik Anfang der 50er Jahre einen Skandal aus. Die Kirche störte sich an der Suizidszene, an der „verklärenden Darstellung der wilden Ehe“ und der Prostitution Marinas. Es kam zu Boykottaufrufen, öffentlichen Protesten und Morddrohungen gegen Hildegard Knef. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen wurde der Film in den ersten drei Wochen von zwei Millionen Deutschen gesehen. Nach dem Abflauen der Proteste schwand das Interesse und der Film wurde kein finanzieller Erfolg.Start: 2026-11-03-191500
end: 2026-11-03-204000
Hildegard Knef - So oder so ist das Leben
Hildegard Knef war vieles: Schauspielerin, Sängerin, Autorin, sozialliberales Vorbild, Schwulenikone. Zum 100. Geburtstag der Ausnahmekünstlerin blickt der Film zurück auf ihr bewegtes Leben zwischen Berlin, New York und Hollywood - ein Leben, das Spiegel ist für das Nachkriegs- und das geteilte Deutschland, für die Lebendigkeit, Widersprüchlichkeit und Sensationsgier unserer Gesellschaft und die sie anfeuernden Medien. Gezeigt werden zahlreiche Originalinterviews mit Hildegard Knef, Ausschnitte aus Spielfilmen wie „Die Mörder sind unter uns“ und „Die Sünderin“, Konzertmitschnitte, die ihre bis heute beeindruckende Bühnenpräsenz belegen, sowie Fernsehberichte aus Berlin, New York und anderen Stationen ihrer Karriere. Neben Hildegard Knef selbst kommen Freunde, Verwandte, Kollegen, Zeitzeugen und Journalisten zu Wort: Knefs Tochter Christina Palastanga-Gardiner, ihr letzter Ehemann Paul von Schell, der „taz“-Journalist Jan Feddersen, Knefs langjähriger Visagist René Koch, die Musikerin Mieze Katz - die ein Duett mit Knef eingesungen hat - und Tim Fischer, der mit ihren Liedern auf Tournee geht. Außerdem: der Filmwissenschaftler Markus Neumann sowie ihr letzter Manager und Nachlassverwalter Thomas Jost. Die Dokumentation porträtiert keine makellose Ikone, sondern eine ambivalente, vielschichtige Frau, die sich zeitlebens dem Erwartungsdruck widersetzte - und doch zur Projektionsfläche wurde.Start: 2026-11-03-204000
end: 2026-11-03-213500